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Kamis, 08 September 2011

Biwaksack - selbst gemacht!


Nachdem ich lange gesucht und viele Varianten von verschiedensten Biwaksäcken ausprobiert habe, stand nun das Selbermachen am Ende einer langen Odyssee. Da gab es PU beschichtete Plastikhüllen, gewachste Baumwollsäcke, atmungsaktive Markensäcke und den guten alten Bundeswehrbiwaksack.

Braucht man einen Biwaksack überhaupt?

Das Für und Wieder eines (Über)sacks über den Schlafsack - zum Schutz gegen Funken, Regen oder Schmutz - ist ein kompliziertes Thema. Dazu kommen Aspekte wie Gewicht, Preis, Komfort und vieles mehr. Klar ist: ein Biwaksack sollte schützen, wärmen, möglichst trocken bleiben (und den Trotter trocken halten) sowie robust sein.

PU beschichtete Biwaksäcke


Nach meinen Erfahrungen sind PU beschichtete Säcke nicht (oder nur für die Not) zu gebrauchen. Nachteile sind der viel zu viele Schweiß, Kondenswasser und der daraus resultierende nasse Schlafsack.

Die von mir getesteten Biwaksäcke von Jack Wolfskin (JW) und (ein geliehener) GoreTex könnten unterschiedlicher nicht sein: Die Preise liegen bei 80 und knapp 300 Euro. Die Kondenswasserbildung bei JW ist fatal und bei dem Biwaksack von GoreTex gleich null. Ich war darüber sehr enttäuscht, da ich von JW bisher besseres gewöhnt war. Und ein Preis von 300 Euro - mal ehrlich - da gibt es schon leichte Einmannzelte oder Tarps. Das kann es also auch nicht sein.

Biwaksäcke aus Baumwolle


Zu den Baumwollsäcken muss ich sagen, dass diese immer gut funktioniert haben. Ich besitze einen Biwaksack aus Teflon beschichtetem Möbelbezugsstoff und ein gewachstes gekauftes Modell. Mit etwas Mühe und Sorgfalt bewähren sich die Säcke aus Baumwolle recht gut bei Nässe, sind aber immer viel zu schwer.

Immer mit dabei!

Generell sollte man sich bei einer Tour zu zweit oder mit mehr Leuten überlegen, ob sich so etwas wie ein Biwaksack wirklich lohnt. Drei Biwaksäcke und Unterlegplanen plus ein entsprechendes Tarp wiegen mindestens genau so viel wie ein gutes Zelt. Man macht da also nicht wirklich was gut. Für mich ist ein Biwaksack jedoch so etwas wie das NonPlus Ultra im Bereich Trotten und Trekking. Für mich gibt es nichts schöneres, als so direkt in der Natur zu sein wie beim Schlafen in einem Biwaksack.

Überlegungen für den Bau eines Biwaksackes

Mir ging es nun darum die Vorteile von atmungsaktiven Stoffen zu nutzen, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. Dabei galt es die Grenze von 70 Euro nicht zu überschreiten, denn dafür bekommt man ein Modell der Bundeswehr. Wenn man Glück hat und dieses vor 2005 gekauft wurde hat man etwas Gutes in der Hand. Die Modelle danach sind zwar atmungsaktiv aber wesentlich schlechter als die alten Varianten. Diese Bivy-Modelle sind ok aber eben nicht perfekt.

Also suchte ich nach einer Möglichkeit atmungsaktive Stoffe zu bestellen. In einem Forum stieß ich auf einen Anbieter von funktionalen Stoffen und Meterware verschiedenster Art. Das Angebot ist überraschend umfangreich und die Preise - da es oft Restbestände sind - recht günstig.

Ich entschied mich für eine einfache und unanfällige Variante in Trapezform ohne Reißverschluss. Reißverschlüsse erhöhen zwar den Komfort, lassen sich aber als Leihe sehr schwer verarbeiten und sind störanfällig. Mein Biwakack sollte groß genug sein um eine Isomatte mit hinein nehmen zu können und genug Platz für einen Schlafsack sowie Ein- und Ausstieg bieten. Ein einfacher Tunnelzug am Kopfende ersetzt die Kapuze, dabei sollte der Sack aber mindesten 20 cm länger sein als man selbst. So kann man sich darunter verkriechen und auch den Kopf bei Regen ohne Unterstand schützen. Optional kann man auch das Bodenteil am Kopfende länger lassen und so eine Kapuze entstehen lassen.

Schnittmuster

Nun ging es an die Arbeit:

Ich bestellte mit also je 2 laufende Meter eines 3 Lagen Laminatstoffes für das Oberteil und ein robustes, flexibles Lagenlaminat für das Unterteil. Dazu Garn und Tape um alles wasserdicht zu bekommen. Die Lieferung und die Ware sind wirklich top - da blüht das Trotterherz.

Schnelle und problemlose Lieferung

Der Vorteil eines 3 Lagen Laminates ist, dass es nicht abgefüttert (also mit einem zweiten Stoff versehen) werden muss, damit die Membran (die meist mikroporösen Beschichtungen lassen Wasserdampf entweichen, Wassertropfen aber nicht hindurch) nicht auf der Haut klebt. Dies ist unangenehm und verhindert auch die Atmungsaktivität. Zusätzlich benötigte ich noch einen Tanka (oder auch Kordelstopper) und eine 2 m lange Kordel.

Die Grundkenntnisse des Nähens sollten beherrscht werden. Wenn man aber Hilfe hat oder sich etwas auskennt, ist die von mir genähte Variante recht einfach herzustellen. Wer grob geradeaus nähen kann, der schafft auch den Saum und die drei Seiten.

Bauanleitung Schritt für Schritt!

Ober- und Unterteil wurden mit Nahtzugabe und Saumzugabe zugeschnitten.

Der Zuschnitt

An das Ende des Tunnels am Kopfteil habe ich je eine Öse angebracht. Diese soll den leichten Schnurzug gewärleisten und verhindern, dass der Stoff an dieser Stelle ausreißt. Jetzt wurde der Saum doppelt eingeschlagen und vernäht.

Ösen anbringen

Dann werden beide Stoffe auf links gelegt und die drei Seiten zusammen genäht.


Nun noch die Kanten versäubern (also im ZickZack Stich umnähen) und wenden. Zuletzt wird die Kurdel eingefädelt und Stopper befestigt. Fertig!

Kanten einfassen oder versäubern.

Tanka und Kordel

Nach etwa zwei Stunden Arbeit war es geschafft und auf den ersten Blick war alles super gelungen.


Genug Platz zum hineinschlüpfen.

Breit genug um eine Isomatte hinein zu legen.

Der erste Test: Die Badewanne!

Also ab damit in die Badewanne. Noch ließ ich die Nähte ungetapet (besteht als Option noch). Ich verwendete beim Nähen spezielles Garn, dass beim nass werden aufquillt und die Nähte verschließen soll. Aus Erfahrung weiß ich, dass das nur bedingt gut funktioniert. Aber diese Garn ist sehr stabil und schaden kann es nicht.


Und das Ergebniss?

Tropfen perlen gut ab.
Und auch Pfützen sind kein Problem.











Den Duschtest hat der Biwaksack gut bestanden. Kein Wasser im Sack. Wenn man ihn jedoch wendet und mit Wasser füllt, dringt es durch die Nähte. Diese werde ich wohl noch abtapen, wenn ich etwas Zeit übrig habe. An den Stellen an denen ich auf dem Stoff gestanden habe wurde die Innenseite des Sacks feucht. Das waren aber auch 70 Kilo auf ca. 10 cm² - da kann das passieren. Das Sitzen auf feuchtem Untergrund war kein Problem, allerdings handelte es sich nur um ca. fünf Minuten. Gespannt bin ich auf die erste Nacht im Sack als Dauertest. Wie ist das Klima und der Schlafkomfort? Klappt alles? Dazu aber später mehr.

Fazit zum Biwaksack selber bauen

Für ca. 77 Euro etwas teurer als gewollt (habe mich vom Stoff verführen lassen). Es ginge aber auch vergleichbar in schlichterer Farbe für 50 Euro komplett. Dazu ca. zwei Stunden Arbeit und bekommen habe ich einen schlichten aber praktischen Biwaksack. Atmungsaktiv, wasserdicht und winddicht. Ohne anfällige Reißverschlüsse zum einfachen zuziehen am Hals ohne Kapuze. Eine Isomatte passt mit hinein und auch für Winterschlafsäcke ist noch genügend Platz übrig. Insgesamt bei 550 g und einem vertretbaren Packmaß (ca. eine halbe Filmdose höher als die Abgebildete - ließ sich schlecht darstellen - also 26x8 cm).

Packmaß

Für mich hat sich der Aufwand auf jeden Fall gelohnt. Man bekommt zwar bereits atmungsaktive Säcke für um die 70 Euro zu kaufen, aber dann nicht mit dieser Stoffqualität und Funktionalität und so individuell gestaltet.

Ich bin gespannt auf Eure Meinungen und den Test in der Praxis.

Euer Kurt.


Selasa, 16 Agustus 2011

Schlafsack Exped Wallcreeper & Dreamwalker


Ich konnte mich nie richtig mit Schlafsäcken anfreunden - man schläft wie eine Mumie, kann sich kaum bewegen und braucht gefühlte Stunden, um aufs Klo zu kommen da anscheinend bei jedem Schlafsack der Reißverschluss klemmt. Vor einiger Zeit habe ich jedoch für mich den idealen Schlafsack gefunden. Im Titel stehen zwar zwei Namen, aber es handelt sich im Prinzip nur um einen. Denn der Wallcreeper Schlafsack von Exped wurde 2010 in Dreamwalker umbenannt. Das Warum ist eigentlich gar nicht wichtig, wichtig ist eher Was an diesem so toll ist. Den Wallcreeper habe ich nun schon eine Zeitlang getestet und ein paar Bilder und Zeilen in den vergangenen Tour-Artikeln veröffentlicht. Hier folgt ein eigener Artikel für meinen derzeitigen Lieblingsschlafsack.


Klein und leicht mit Daune

In der Größe M (bis zu 180 cm Körpergröße) wiegt der Wallcreeper nach Angaben des Herstellers 895 g mit einem Daunenfüllgewicht von 365 g. Das Schlafklima zwischen diesem Daunenschlafsack und meinem vorherigen Kunstfaserschlafsack ist extrem unterschiedlich. Hinzu kommt natürlich das Packmaß, das beim Wallcreeper äußerst klein ausfällt.

Geliefert wird dieser in einem wasserdichten Rollpacksack. Interessant ist auch die Variante Wallcreeper PL, welche mit einem wasserabweisendem und schnelltrocknendem Primaloft-Kunstfaservlies gefüllt ist. Dieser ist aber teurer und schwerer.


Flexibel und mobil

Das für mich praktischste und interessanteste am Wallcreeper sind die Armdurchgriffe. Das heisst, man macht den Schlafsack zu und hat trotzdem noch die Arme zur Verfügung um die Taschenlampe wegzulegen oder das Tarp gerade zu rücken. Die Armdurchgriffe haben natürlich eine Abdeckleiste und der Reißverschluss ist von außen und von innen bedienbar. Der integrierte Wärmekragenwulst ist äußerst angenehm und hält die Wärme am Körper ohne dass diese durch die Kapuze entweichen kann.

Ideal: die Armdurchgriffe

Ein weiteres tolles Feature ist der durchgehende Frontreißverschluss (mit Einklemmschutz). Das heisst, man kann den Schlafsack komplett öffnen und auch als eine Art Mantel nutzen. Oder noch besser: durch den zuziehbaren Fußabschluss ist es möglich, die "Beinpartie" nach oben zu binden und sie um die Hüfte festzumachen. Somit hat man den Schlafsack an, kann aber noch herumlaufen da die Beine frei sind. Dadurch ist der Wallcreeper nicht nur ein Schlafsack, sondern kann auch als eine Art Daunenjacke/Daunenmantel betrachtet werden.

Durchgehender Frontreißverschluss

Wallcreeper & Wetter

Der Komfortbereich liegt nach Exped bei +3/+8 Grad. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass der Schlafsack im Sommer fast schon zu warm ist und ich bei warmen Wetter ausschließlich die Armdurchgriffe offen lasse oder den Wallcreeper als Decke nutze. Im Winter bei -15 Grad benötigt man jedoch unbedingt einen zusätzlichen Innenschlafsack. Das zuziehbare Fußteil und die seitlichen Reißverschlüsse für die Arme sind natürlich potentielle Kältebrücken. Der Wallcreeper ist aber auch nicht als Expeditionsschlafsack für die Polarregion gedacht, sondern für mäßige Klimazonen.












Fazit zum Exped Wallcreeper

Für mich ist der Schlafsack wie eine Offenbarung. Ich finde es äußerst angenehm darin zu schlafen und durch die genialen Features bin ich nun auch äußerst flexibel und mobil ohne mich aus dem Schlafsack herauszuquälen. Für mich hat hier Exped ein tolles Produkt entworfen.


Senin, 11 Juli 2011

Nachbesprechung zur Tschechientour


In meinem Artikel zur Tourplanung hatte ich schon eingehend berichtet wie wir unsere Tschechientour gestalten wollen und wie wir sie vorher geplant haben. Natürlich weicht man immer etwas von seiner eigentlichen Planung ab und viele Dinge die man sich vorgenommen hat werden letztendlich nicht durchgeführt - auch im Hinblick auf die kurze Dauer der Wandertour. Im eigenen Interesse und auch aufgrund der Leserpost wollen wir in unserer Nachbesprechung auf unsere Planung zurückkommen und berichten was funktioniert hat, was eher schlecht war, welche Ausrüstung wir gebraucht oder nicht gebraucht haben.

Haben die Wanderkarten ihren Zweck erfüllt?

(Jaddar) Die Böhm-Wanderkarten haben mich sehr überzeugt. Sie sind extrem detailliert, zeigen so gut wie jeden noch so kleinen Wanderweg, haben ein kleines Packmaß und sind schön anzuschauen. Mit ihnen konnte ich sehr gut den Anfang und das Ende unserer Tour planen.

Sehr schöne und hilfreiche Wanderkarte

Warum passen die Streckenangabe nicht zu den Höhenprofilen?

(Jaddar) Mittels dem Programm MapSource lese ich die GPS Daten ein und lasse mir die Strecke dort anzeigen. Da wir nicht nur spektakulär auf und ab gewandert sind sondern auch mal einigermaßen gerade Strecken, passiert es das das Höhenprofil natürlich extrem langweilig aussieht (und MapSource es mir - warum auch immer - einfach nur als gerade Linie anzeigt). Somit habe ich den Ausschnitt vergrößert und dadurch wird natürlich nur ein bestimmter Abschnitt angezeigt und nicht die komplette Strecke.

Langweiliges Höhenprofil
Vergrößerter Ausschnitt der Strecke










Hat das GPS durchgehalten?

(Jaddar) Nach und während dieser Wanderung war ich sehr zufrieden mit meinem GPS Gerät. In erster Linie lag das nun an den neu gekauften Lithium Batterien mit dem das Gerät nun endlich die vom Hersteller versprochene Zeit durchhält. Die Batterien hielten von Samstag bis Mittwoch, wobei ich das Gerät an manchen Tagen oft benutzt habe. Bei längeren Pausen und in der Nacht wurde es natürlich ausgeschaltet. Für die Streckennachbereitung, Tourstatistiken und Wegfindung unterwegs hat es wiedereinmal sehr gute Dienste geleistet. Als Karte habe ich die frei verfügbare Reit- und Wanderkarte genutzt. Zwar habe ich festgestellt das einige Wege noch nicht verzeichnet sind, aber das kann ich selbst nachholen da an der Karte mitgearbeitet werden kann.


Wie hat sich die Ausrüstung bewährt?

Rucksack

(Jaddar) Ich war mit den Dingen die ich mitgenommen habe sehr zufrieden. Mein Rucksack Exped Mountain Pro 50 hat sehr gute Dienste geleistet. Auch wenn er keine Außentaschen hat, ist es durch die angebrachten Schlaufen und Schnallen optimal um dort Gegenstände zu befestigen. Das sieht zwar abenteuerlich aus, ist aber ziemlich praktisch.


Isomatte, Biwak- & Schlafsack

(Jaddar) Anders als in der Ausrüstungsliste zur Vorbereitung aufgelistet, habe ich doch noch meinen Biwaksack mitgenommen. Ich musste ihn einfach mal ausprobieren, insbesondere in Kombination mit dem Tarp ist er sehr hilfreich. Aufgrund der Temperaturen habe ich meinen Schlafsack kaum gebraucht und der Biwaksack ist fast immer völlig ausreichend gewesen (zur Not zieht man noch ein Fleece an) - die Ausrüstungsliste kann man für warme Jahreszeiten hier noch gut optimieren. Meine NeoAir Isomatte machte keine Probleme aber sie ist mir auf Dauer nicht zu kurz! sondern eher zu schmal und zu hoch. Hier werde ich mich doch nach einer neuen umsehen.

Schlafsack

(Kurt) Mein Schlafsack (Sommervariante) war viel zu warm. Die ersten zwei Nächte ging es gar nicht und ich war ständig wach. Da es die folgenden Nächte etwas kühler war verbesserte sich die Lage. Im Ganzen muss ich sagen, hätte es eine leichte Decke und ein Biwaksack auch getan. Vom Packmaß her geht es aber nicht kleiner. Es sei denn man schläft in Kleidung und Biwaksack. Aber dazu später mehr.

Tarp

(Jaddar) Die Tarps lassen sich problemlos zusammenknüpfen. Hier hatten wir nur einmal das Problem mit dem Regen an einer undichten Nahtstelle. Woran es jedoch ganz genau lag und warum das zweite Tarp dicht ist, konnten wir zu dem Zeitpunkt nicht feststellen. Der Bivy-Poncho ist ja mit aufquellendem Baumwoll- und Polyesterfaden genäht und sollte prinzipiell auch gestrafft die Nahtlöcher nicht öffnen - soweit zur Theorie.

Die undichte Stelle am Tarp

Regenjacke & -hose, Softshell, Isolation

(Jaddar) Meine Regenjacke und -hose habe ich nicht gebraucht. Ein einfaches Softshell reicht bei solch einem Wetter völlig aus - sofern man nicht im Regen weiterwandern will. Der Primaloftpullover ist unheimlich praktisch - kleines Packmaß und hält sehr warm in kühlen Nächten. Auch kann man diesen als einfaches Kopfkissen verwenden.

(Kurt) Zum Thema Kopfkissen: Es reicht wenn man ein Baumwollsäckchen (oder was sich angenehm anfühlt) mitnimmt. Dort die Kleidung des Tages verstaut und man hat ein sehr nützliches Kissen. Von der Nutzung des Kompressionssacks vom Schlafsack würde ich abraten. Die oft wasserdichten Beutel lassen keine Luft in (und aus dem) Ohr, was sich mitunter sehr unangenehm anfühlt.

(Jaddar)Anonsten kommt man bei einer Wanderung mit sehr wenig Wäsche aus - sofern man unterwegs waschen kann und die Kleidung genug Zeit zum trocknen hat. Hier kann man sehr viel Gewicht und Packmaß einsparen. Das ist vielleicht nicht für jeden was, aber unterwegs riecht man sich selbst eh nicht.

Wie lief die Streckengestaltung ab?

(Jaddar) Mit den täglichen Streckenkilometern bin ich ganz zufrieden. Aufgrund der Hitze und der Durchquerung der sächsischen Schweiz muss man sich vor Augen führen, das hier nur ein langsames Vorankommen möglich war. Allein die täglichen Höhenmeter waren zeitweise ziemlich quälend. Was mir nicht so gut gefallen hat ist die Tatsache das in Tschechien soviele Wanderwege entlang von Straßen führen.


Wie habt ihr die Trinkwasserversorgung geregelt?

(Jaddar) Besonders bei diesem warmen Wetter und den relativ langen Strecken ist es extrem wichtig auf genügend Trinkwasser zu achten. Sobald es in die Berge geht - oder wie hier in die sächsische Schweiz - werden die Quellen meist sehr knapp und Trinkwasser muss mitgeführt werden. Hier muss man bedenken das nicht allein Wasser um den Durst zu stillen mitgeschleppt werden muss, sondern auch um am Abend eine Suppe zu machen oder um sich zu waschen. Rationierung ist also sehr wichtig.

(Kurt) Dazu empfehle ich die Mitnahme eines kleinen Outdoorhandtuches oder eines kleinen Waschlappens. So kann man sich mit wenig Wasser recht gut sauber halten. Den Lappen einfach in eine Tüte und bei nächster Gelegenheit auswaschen und trocknen. So übersteht man bis zu drei Tage, ohne ganz aus der Form zu geraten.

(Jaddar) Es kann also passieren, dass man - wie wir - drei bis vier Liter Wasser auf den Berg trägt. Dadurch wird der Rucksack natürlich nochmal sehr viel schwerer. Am besten ist es also die Tour schnell mit Wasserquellen zu verbinden. Hat man dies geschafft ist nur noch ein Wasserfilter notwendig. Ich habe den Frontier Pro-Wasserfilter der vor allem klein und handlich ist. Mit 57 g ist er vor allem sehr leicht und sowie ich das verstanden habe auch mit Aktivkohle bestückt. Wer der Sache nicht ganz traut, achtet zusätzlich darauf das die Quelle optisch sauber aussieht, fließend ist und benutzt Micropur oder kocht das Wasser zusätzlich ab.

Welcher Gegenstand war der überraschendste während der Tour?

(Jaddar) Der überraschendste Gegenstand während dieser Tour war mein Vargo Titanium Hexagon Wood Stove - Holzkocher. In der Ultraleichtszene werden ja meist Spirituskocher mit genau abgezählten Brennstoff verwendet. Ich wollte noch ein Stufe weitergehen - mit noch weniger Luxus - denn Brennstoff für den Holzkocher gibt es überall und Holz kann man problemlos unterwegs sammeln. Bedenken sollte man natürlich immer - was passiert wenn es regnet und alles nass ist?! Auch kann man nicht immer mit einem Holzkocher gut arbeiten, insbesondere dauert es etwas länger eh er an ist und auf die Waldbrandstufe ist auch zu achten. Nichtsdestotrotz hat er wunderbar funktioniert und ich bin sehr sehr zufrieden mit ihm. Einen Vorteil hat er außerdem in Bezug auf die meisten Hobo- und Bushbuddy-Kocher: Er lässt sich problemlos zusammenfalten und hat somit ein erstklassiges Packvolumen! Wer es also noch etwa mehr naturbelassener und eine Stufe vor dem richtigen Lagerfeuer haben möchte, dem kann ich einen Holzkocher nur empfehlen.


(Kurt) Leider ist mein überraschendster Gegenstand eine Enttäuschung gewesen - meine neue, zum ersten mal benutzte Nalgene 3 Liter Faltflasche. Am fünften Tag war sie hin. Sicher wurde sie geknickt und auch geknauscht, aber sicher nicht schlecht behandelt. Zum Glück hatte ich alles im Rucksack einzeln wasserdicht verpackt und eine kleine Aluflasche zusätzlich mit, sonst wäre meine Laune noch viel mieser gewesen. Ich werde nur noch mit Alu oder Edelstahlflaschen losziehen!

Welcher Gegenstand war der praktischste während der Tour?

(Jaddar) Das vom Kollegen Kurt gebaute Foto-Stativ fand ich am praktischsten. Es hat einfach wunderbar funktioniert und hätte im Notfall auch noch als Brennmaterial nutzen können.


(Kurt) Obwohl ich mein Hemd schon längere Zeit besitze und immer recht zufrieden war, muss ich im Nachhinein wirklich sagen, dass ich mehr als zufrieden bin. Es trocknet unglaublich schnell, hält dank seiner Ausrüstung Mücken fern und lässt sich in allen Varianten dem Wetter anpassen. Bei Hitze Ärmel hoch, bei Kälte Ärmel runter, in der Stadt zugeknöpft und zum trocknen am Rucksack fest gemacht. Hat wirklich überzeugt und riechen tut es auch nicht.

(Jaddar) Für den letzten Satz lege ich nicht meine Hand ins Feuer!


Welcher Gegenstand war der unwichtigste oder unpraktischste während der Tour?

(Jaddar) Meine Regenhose - ich habe sie einfach nicht gebraucht.

(Kurt) Bis jetzt haben mir meine Meindl Wanderstiefel immer gute Dienste geleistet - bis jetzt. Keine Frage: guter Halt, keine Blasen - aber die Wärme war unerträglich. Die Füße kochten und ich wünschte mir jeden Abend einen luftigeren Wanderschuh..... Das nächste Mal.

Gibt es einen Test zur Trekkingnahrung?

(Jaddar) Zur Trekkingnahrung die wir dabei hatten gibt es noch einen gesonderten Bericht. Ich kann nur soviel sagen das mir das selbstgemachte Essen und die Globetrotter Hausmarke am besten geschmeckt haben. Die andere Trekkingnahrung war vergleichsweise nochmal teurer und macht auch nur unzureichend satt.

Wie und wo habt ihr übernachtet?

(Jaddar) Im Nationalpark sollte man mit Übernachtungen und mit dem Feuermachen äußerst vorsichtig sein, denn sonst drohen empfindliche Geldstrafen. In der sächsischen Schweiz nutzten wir noch die Boofen, danach jedoch wurde es schon etwas eng mit dem biwakieren. Somit mussten wir notgedrungen auf eine Mischung von wild-campen, Zeltplatz und Bettenlager zurückgreifen.

Was gibt es sonst noch zu sagen?

(Jaddar) Das Reparaturset haben wir nicht benötigt. Erste Hilfe wurde durch eine fiese Zecke und einer Blase notwendig. Also nix aufregendes. Packbeutel finde ich immer wieder sehr praktisch. Zum einen sind sie wasserdicht und zum anderen ermöglichen sie eine einfache und übersichtliche Organisation im Rucksack und können als Kopfkissen dienen. Ansonsten brauche ich ein größeres Handtuch, meines war eindeutig zu klein. Badelatschen oder etwas ähnliches sind äußerst nützlich, wenn man nach einem langen Marsch vor seinen stinkenden Wanderschuhen fliehen möchte.



Selasa, 04 Januari 2011

Der Rennsteig im Winter


Wie erkläre ich das den Lesern - war mein erster Gedanke als wir beschliessen ein Stück des Rennsteigs zu laufen, jedoch nicht nach Süden von da wo wir aufgehört hatten, sondern nach Norden zurück an den Anfang des Fernwanderweges. Die Bedingungen haben sich jedoch geändert, es ist Winter und der Rennsteig total verschneit. Wir trotten los - ohne Ski und ohne Schneeschuhe, zwei Tage zwischen Minusgraden und einer herrlichen Winterlandschaft - eine Kurztour von Oberhof nach Friedrichroda im Thüringer Wald.

Rennsteig - Wegweiser

Schichtprinzip

Für eine Wintertour sollte die Auswahl der Ausrüstung besonders sorgfältig ausfallen. Insbesondere in Bezug auf die Kälte. Mit Hilfe des Schicht- bzw. Zwiebelprinzips kann der Wintertrotter seine Körpertemperatur konstant halten und bei Gelegenheit entsprechend regulieren. Man sollte sich nicht zu dick anziehen, denn wenn man schwitzt ist man bei einem Temperaturwechsel äußerst anfällig für eine Unterkühlung. Trockene Kleidung ist hier ungemein wichtig!

Mütze und Daunenjacke halten bei großer Kälte warm

Das Zwiebelprinzip ist sehr effektiv, da zwischen den einzelnen Lagen die Luft gespeichert wird und somit auch die Wärme. In der korrekten Reihenfolge sollen die Schichten Schweiß von der Haut wegleiten, gegen Kälte isolieren und Feuchtigkeit von außen abhalten. Sinnvoll ist somit eine leichte Grundschicht aus Materialien für den Feuchtigkeitstransport, dann eine warme und isolierende Schicht sowie anschließend eine wind- und wasserdichte äußere Schicht. Sinnvoll sind auch Gamaschen bei einer Wintertour, da diese bei Nässe und Kälte die Füße trocken halten und das Eindringen von Schnee verhindern. Zusätzlich sollte man auf die Verfassung der Personen die einen begleiten achten und natürlich auf das Gefühl in Händen, Füßen und Zehen! Wichtig ist außerdem genügend zu trinken (vor allem warme Getränke - nicht nur Glühwein Kurt!), da dies besonders im Winter häufig vernachlässigt wird.

Gamaschen sind äußerst praktisch

Gewicht sparen

Für ein leichtes Gepäck wird wie üblich, das Gewicht der drei größten und schwersten Teile der Ausrüstung - Zelt, Rucksack und Schlafsack - auf ein Minimum reduziert. Auf dem Rennsteig gibt es ungefähr alle 2,1 km eine Schutzhütte und somit ist ein Zelt überflüssig. Als Schlafsack nutze ich meinen (relativ dünnen) Daunenschlafsack Exped Wallcreeper. Um Gewicht und Platz zu sparen kann man ruhig einen dünneren Schlafsack benutzen und nachts die Kleidung anbehalten. Hat man Zelt und Schlafsack (weg)reduziert, benötigt man nun auch einen kleineren Rucksack - ganz einfache Argumentationskette der Ultraleicht-Bewegung. Mein Exped Mountain Pro Rucksack ist kein Ultraleicht-Rucksack - jedoch leichter als manch anderer, sehr robust, wasserdicht und äußerst komfortabel.

Exped Mountain Pro Rucksack
Exped Wallcreeper Schlafsack















Daunen für die Wärme
Kocher für das Essen















Mit einem leichteren Rucksack muss man sich weniger anstrengen und man schafft längere Strecken. Ultraleicht-Wandern ist eine gute Sache bei der man jedoch nicht den gesunden Menschenverstand ausschalten sollte. Zum Rucksack sei nur soviel gesagt: die Gurte sollten zusammengerollt werden um nirgends hängen zu bleiben, es sollte ein wasserdichter Rucksack oder ein wasserdichter Innensack benutzt werden, was als Erstes gebraucht wird wird zuletzt in den Rucksack gepackt und schwere Gerätschaften werden nahe des Rückens platziert.

Schlafsack und Isomatte klein verpackt
Zwei Töpfe sollten zum Kochen genügen












Wird in der Gruppe getrottet kann natürlich die Ausrüstung aufgeteilt werden und vieles gemeinsam genutzt werden um Gewicht zu sparen. Zum Beispiel ist nur ein Kocher nötig und normalerweise genügt auch ein Topf zum Wasserkochen und zur Essenszubereitung. Im Winter nimmt man jedoch lieber einen kleinen Topf mehr mit um nebenbei dauerhaft Schnee zu schmelzen oder heißen Kaffee zu kochen.


Ohne Schneeschuhe

Los geht es bei Oberhof, mit 9 kg Gewicht (mit Verpflegung und extra-Innenschlafsack für die angekündigten -25 Grad) und gutem Wetter. Das anfängliche Laufen ist sehr kräftezehrend. Der Rennsteig ist größtenteils geräumt jedoch sinkt man leicht in der Schneedecke ein wobei wir natürlich sehr viel Energie verbrauchen.






















Mit Schneeschuhen und Skier würden wir sicherlich schneller voran kommen, da sich dabei das Körpergewicht auf eine größere Fläche verteilt und man somit nicht so tief einsinkt. Das Gehen ohne Schneeschuhe im Tiefschnee ist sehr ermüdend und durch die Anstrengung fängt man an zu schwitzen und die Gefahr der Unterkühlung besteht. Da wir jedoch die Variante ohne alles gewählt haben trotten wir entspechend langsam aber fröhlich über den Rennsteig.






















Die Strecke

Wir wandern Richtung Nordwesten, entlang einer wundervollen und faszinierenden Winterlandschaft, vorbei am Gustav-Freytag-Stein und etlichen Schutzhütten die sich am Rennsteig entlangschlängeln. An der Schutzhütte "Am Sperrhügel" machen wir eine längere Rast.






















Kaffee, Tee und heiße Suppe lassen wir uns schmecken und beobachten den langsamen Sonnenuntergang der ja schon gegen halb fünf eintritt. Durch den Schnee bleibt dem Trotter im Winter noch etwas länger Licht, jedoch sollte man rechtzeitig damit anfangen seinen Lagerplatz aufzuschlagen. Durch die Schutzhütten auf dem Rennsteig ist dies natürlich absolut problemlos - obwohl die Hütten auch unterschiedliche Größe und Qualität besitzen und man nicht unbedingt mit jeder zufrieden sein wird.


Da wir schon öfter gefragt wurden: die Schutzhütten haben offene Türen und offene Fenster, lediglich ein oder zwei Bänke und eventuell ein Tisch. Mit etwas Glück sind sie im Winter schneefrei und leicht zugänglich. Nachdem wir uns satt gegessen haben und es trotz Dunkelheit noch früh am Abend ist, beschließen wir einen alten Indianertrick anzuwenden um schneller voran zu kommen: wir laufen einfach nachts weiter. Der Boden ist dann größtenteils gefroren und wir werden ohne Schneeschuhe nicht mehr einsinken. Clever!












Eine Nachtwanderung durch den Thüringer Wald ist etwas faszinierendes. Glücklicherweise war der Himmel wolkenlos und sternenklar. Eine Orientierung und Navigation anhand des Sternenhimmels wäre somit problemlos möglich. Auf der Ebertswiese angekommen nächtigten wir anschließend in der "Neuen Schmalkalder Schutzhütte", die sehr komfortabel und geräumig ist.





















Der nächste Morgen beginnt mit verfrorenen Füßen und heissem Kaffee. Der Benzinkocher tut sein Bestes und lärmt wie eine Turbine - Spiritus ist bei der Kälte etwas eigen, da man diesen erst erwärmen muss. Das Wasser in Plasteflaschen kann gefroren sein und es ist sehr umständlich dieses wieder herauszubekommen, es sei denn der umsichtige Trotter hatte die Flasche mit im Schlafsack. Ähnliches gilt für die Trotterschuhe - diese sind teilweise gefroren und nicht sehr einladend am frühen Morgen. Das Wetter ist jedoch herrlich und bis Friedrichroda sind es nur noch wenige Kilometer.


Nach guten 5 km verlassen wir den Rennsteig um in die idyllische Kleinstadt abzusteigen. Friedrichroda gilt als beliebter Kur- und Wintersportort in der unter anderem Bismarck Ehrenbürger war. Abseits vom Rennsteig ist es gar nicht so schlecht, denn mit einem Mal ist kaum ein Mensch mehr zu sehen und unsere Tour geht herrlich allein im Thüringer Wald weiter. Nun hat man auch mal die Zeit Hasenspuren genauer unter die Lupe zu nehmen und nach Wild Ausschau zu halten - außer ein paar Mäusen leider ohne Erfolg.
































Tiefschnee

Um die fantastische Winterlandschaft vollends zu erleben trotten wir an einigen Stellen einfach quer-Feld-ein und kämpfen uns somit durch den Tiefschnee. Das macht zum einen sehr viel Spaß und ist aber auch verdammt anstrengend.












Für längere Touren in solch einem Gebiet müssten wir uns dringend Schneeschuhe bauen. Das sollte auch ziemlich trivial sein - zur Not tun es auch geeignete Zweige (von einem Nadelbaum) unter dem Fuß um möglichst schnell aus dem Tiefschnee herauszukommen - jedoch sind wir bei dieser Tour nicht dazu gekommen da es im Großen und Ganzen nicht nötig war. Leider haben wir auch keinen geeigneten Berg gefunden um auf dem Rucksack bergab zu rutschen - das wäre mal ein Spaß gewesen.


In Friedrichroda angekommen, suchen wir die Thüringer Waldbahn und machen noch eine kleine Rundfahrt durch den verschneiten Freistaat bevor es wieder heimwärts geht. Als gute Rennsteig-Karte sei übrigens die wetterfeste Wanderkarte von Leporello empfohlen (Maßstab 1:25000). Sie ist klein, übersichtlich und es ist alles drauf was man benötigt.